Die “sieben Leben” des Stahls

Die “sieben Leben” des Stahls

Rostbraune Stahlträger des ehemaligen DDR-Baus „Palast der Republik“ liegen auf der Spreeinsel in Berlin herum. Was man auf den ersten Blick nicht vermuten würde: Diesem Ende des DDR-Baus wohnt doch ein Anfang inne. Denn der Stahl lebt weiter. Dank internationalem Handel: an einem anderen Ort. In mehr als 4500 Kilometern Entfernung.

Stahlteile vom Palast der Republik befinden sich heute im Burj Khalifa – mit 820 Metern das höchste Wahrzeichen in Dubai. Über viele Recycling-Stationen in Europa und Asien ist ein Teil des Materials bis in die Vereinigten Arabischen Emirate gelangt. Ein anderer Teil landete im Motorblock eines VW Golf. Dieser Kreislauf zeigt: Stahl ist zu nahezu 100 Prozent wiederverwertbar. Was heute eine Konservendose ist, kann morgen eine Büroklammer, eine Haarspange, ein Schiffscontainer oder eben ein Stahlträger in einem Wolkenkratzer sein.

Stahlschrottrecycling hat einen hohen Stellenwert. „Wenn es ohne Handelsbarrieren möglich ist, den sauberen deutschen Stahlschrott weltweit zu handeln, steigt die Qualität des daraus entstehenden Stahls. Und vor allem: Je weniger Stahl aus Eisenerz produziert werden muss, umso schonender ist das für Klima und Umwelt“, erklärt Andreas Schwenter. Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) kritisiert Akteure, die wenig Wert auf die Wiederverwertung legen. „Wenn es für indische oder chinesische Unternehmen günstiger ist, Primärstahl zu produzieren, statt Schrott zu verwerten, hat das entsprechend negative Folgen auf die Luftqualität und den Ressourcenverbrauch.“

Stahlrecycling spart in Deutschland mehr als 20 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein – das entspricht der Menge an C02, die Berlin im selben Zeitraum freisetzt. An neu produziertem Stahl spart Deutschland mehr als 30 Millionen Tonnen ein – insgesamt etwa sieben Eiffeltürme pro Tag und schont so Ressourcen. Denn: jede Tonne recycelter Stahl- und Eisenschrott vermeidet den Abbau von 1,5 Tonnen Eisenerz. Das Recycling Know-How – auch „Urban Mining“ genannt – exportiert Deutschland ebenfalls in die ganze Welt. Die Scholz Recycling GmbH, einer der größten Aufbereitungs- und Verwertungsbetriebe der Bundesrepublik, ist ein Beispiel für ein Unternehmen, welches sein Wissen weltweit anbietet. Mit insgesamt 500 Standorten in über 20 Ländern ist die Scholz GmbH, als einer der drei weltweit größten Recyclingunternehmen, mitverantwortlich für die Einsparung von 130 Millionen Tonnen CO2 im Jahr.

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